

Auf Istanbul blicken
TR
₺ 60,000
Barış Gülen' Mehr von
Auf Istanbul blicken ist eine dichte abstrakte Komposition in den Maßen 60×60 cm, mit Acrylltechnik auf Leinwand gefertigt, die sich dafür entscheidet, nicht die Geographie einer Stadt, sondern ihre Seele zu übertragen.
Der Titel verkündet eine Handlung: blicken. Nicht sehen, sondern blicken. Diese feine Unterscheidung begründet die gesamte konzeptuelle Basis des Werks. Sehen ist augenblicklich und oberflächlich; blicken hingegen ist kontinuierlich, vielschichtig und persönlich. Auf Istanbul zu blicken ist genau so — wann immer du innehältst, siehst du eine andere Stadt, denn nicht die Stadt, sondern du hast dich verändert.
Der Grundton der Komposition ist dunkel und tief. Dieser dunkle Grund, in dem sich Grün, Blau und Schwarz ineinander verschlingen, spiegelt Istanbuls Geheimnis, die Geschichtsschichten und die unermüdliche Komplexität wider. Auf diesem Grund leuchtende rote Linien und geworfene Gesten erinnern an die Adern der Stadt — die scharfen Konturen des Bosporus, die Spannung der Brücken, den unvorhersehbaren Fluss ihrer Straßen. Rot ist hier nicht nur Farbe, sondern Istanbuls Puls.
Die im oberen Bereich sich sammelnden blauen und grünen Töne evozieren Himmel und Wasser, also die beiden großen Spiegel der Stadt. Die texturierte und vielschichtige Struktur dieser Bereiche lässt spüren, dass Istanbuls Himmel niemals eintönig sind, dass sie zu jeder Stunde ein anderes Licht und andere Farben bergen. Das horizontale rote Band in der Mitte hingegen fungiert wie eine Horizontlinie — jene unsichtbare Grenze, die Europa von Asien, Vergangenheit von Gegenwart, Land von Wasser trennt und gleichzeitig verbindet.
Die Pinselsprache ist sowohl unkontrolliert als auch bewusst. Während breite, fegende Gesten den großen Maßstab der Stadt etablieren, entsprechen feine, spritzende Linien und Punktformen Istanbuls Details, Straßenecken und momentanen Menschengeschichten. Diese Sprache balanciert perfekt die Spannung zwischen der von weitem sichtbaren Silhouette und der Komplexität, die sich beim Näherkommen offenbart.
Auf Istanbul blicken ist kein Stadtporträt, sondern das Porträt einer Beziehung zu einer Stadt. Das Werk beschreibt Istanbul nicht; es überträgt die emotionale und geistige Spur der mit ihr gelebten Erfahrung auf die Leinwand. Jeder Betrachter findet in dieser Leinwand sein eigenes Istanbul — denn in den Augen jedes Menschen, der auf diese Stadt blickt, lebt ein anderes Istanbul.