
Baby Jesus und Maria
TR
Acrylstift und Bleistift auf Papier
₺ 5,000
Ekim Mağden' Mehr von
Die Neuschreibung des visuellen Gedächtnisses
In dieser Serie greift Ekim Mağden klassische Kompositionen, die sich in das kollektive Gedächtnis der westlichen Malereigengeschichte eingeschrieben haben, durch eine zeitgenössische Zeichen- und Markierungssprache erneut auf. Die Bilder, die von religiösen Erzählungen bis hin zu alltäglichen und säkularen Szenen reichen, werden neu gezeichnet, gebrochen und transformiert – herausgelöst aus ihrer Rolle als fixierte und kanonisierte Repräsentationen der Kunstgeschichte.
Der direkte, schnelle und körperliche Charakter des Acryl-Paint-Markers und des Tag-Stifts erzeugt einen bewussten Kontrast zur kontrollierten Kompositionsauffassung der klassischen Malerei. An die Stelle feiner malerischer Nuancen treten spontane Linien, Wiederholungen, Schichten und intensive Farbbewegungen. So werden die Bilder der Vergangenheit nicht bloß kopiert, sondern durch die visuelle Sprache der Gegenwart hindurchgeführt und neu erfahren.
Für Mağden ist die Kunstgeschichte keine abgeschlossene Vergangenheit, sondern ein visuelles Archiv, das kontinuierlich neu aktiviert werden kann. Die Bilder von El Greco, Bruegel und anderen klassischen Meistern fungieren hier nicht nur als „Referenzen", sondern verwandeln sich in Begegnungsfelder zwischen zeitgenössischem Bewusstsein und historischem Gedächtnis. Besonders in der religiösen Ikonografie verschwimmen die Grenzen zwischen dem Heiligen und dem Alltäglichen, zwischen Glaube und Repräsentation, zwischen individueller Wahrnehmung und kollektivem Gedächtnis.
In diesem Prozess der Neuproduktion bricht der Künstler die Autorität des klassischen Werks, ohne es zu vernichten. Im Gegenteil – er fügt eine neue visuelle Schicht hinzu. Das ursprüngliche Bild und der Eingriff des Künstlers existieren auf derselben Oberfläche weiter. Daher lassen sich die Werke wie zeitgenössische Palimpseste lesen, die über der Vergangenheit errichtet wurden.
Das Fundament der Serie bildet Mağdens in verschiedenen Bereichen seiner Praxis immer wiederkehrender Ansatz des Transformierens und Neu-Kontextualisierens. Der Künstler, der zuvor Abfallobjekte, persönliche Erinnerungen und alltägliche Materialien in neuen Kontexten zusammengeführt hat, wendet hier dieselbe Methode auf die Kunstgeschichte selbst an. Das transformierte Material ist diesmal kein physischer Abfall, sondern ein kulturelles Bild.
So entsteht ein hybrides visuelles Feld zwischen klassischer Malerei, zeitgenössischem Graffiti und persönlicher Geste. Die vertrauten Bilder behalten ihre Erkennbarkeit und werden gleichzeitig verfremdet. Diese Verfremdung lädt den Betrachter ein, dem Werk nicht nur mit der Frage „Auf welches klassische Gemälde verweist das?" zu begegnen, sondern auch mit der Frage: „Wie wirkt dieses Bild heute in meiner Wahrnehmung neu?"
In diesem Sinne ist die Serie weniger ein Versuch, die Kunstgeschichte zu reproduzieren, als vielmehr ein Versuch, einen neuen Berührungspunkt zwischen ihr und dem visuellen Bewusstsein der Gegenwart herzustellen.
