


Ein Sommerabend im Riesenrad
TR
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Barış Gülen' Mehr von
Ein Sommerabend im Riesenrad, 28,7×16,5 cm groß, ist eine horizontal formatierte, energiegeladene Komposition, die mit gemischter Technik und Acryl entstanden ist.
Der Titel schafft eine äußerst originelle und visuelle Szenerie: das Riesenrad ist sowohl eine körperliche Erfahrung als auch eine starke Metapher. Aufsteigen und absteigen, beschleunigen und verlangsamen, sich fürchten und sich freuen — alles gleichzeitig erleben. Zudem ist diese Erfahrung in einen Sommerabend eingebettet; in die lebendigste Jahreszeit, in die bezauberndste Stunde des Tages. Das Werk übersetzt genau den pluralen und simultanen Gefühlszustand dieses Moments in eine visuelle Sprache.
Die Komposition beginnt unten mit einer dunklen, intensiven und komplexen Energiemasse; sie öffnet sich nach oben, wird luftig und atmet. Diese vertikale Dynamik spiegelt die Bewegung des Riesenrads eins zu eins wider: unten Schwere und Verwirrung, oben Offenheit und Freiheit. Die blassen weißen und hellen grauen Bereiche im oberen Teil erinnern an den Abendhimmel, vielleicht auch an diese schwindelerregende Leere, die man in der Höhe spürt.
Die Farbsprache ist äußerst lebhaft und kontrastreich. Rot tritt auch in dieser Komposition als dominanter Energieträger hervor; es übernimmt Begeisterung, Aufregung und die Wärme des Sommerabends. Während Dunkelgrün, Violett, Marineblau und Schwarz mit diesem Rot Spannung aufbauen, symbolisieren gelbe und orange Inseln augenblickliche Lichtblitze und Fröhlichkeit. Das Blau und Rosa am rechten Rand repräsentiert die Ruhe, die am Rande dieser intensiven Energie schweigend steht — diese süße Benommenheit in dem Moment, wenn das Riesenrad anhält.
Halbtontexturen übernehmen auch in diesem Werk eine bestimmende Rolle. Diese als schwarze Bänder in die Komposition eingefügten Drucktexturen verweisen auf die mediale Intensität des Moments, auf die fotografischen Spuren der Erinnerung und auf Bilder der Popkultur aus der Vergangenheit. Das Riesenrad ist letztendlich auch ein Objekt kollektiver Erinnerung — jeder hat eine Riesenraderinnerung.
Das freie Sich-Erstrecken feiner Linien — orange, weiß, grau — inmitten all dieser Verwirrung erinnert an die Geschwindigkeitslinien des Riesenrads. Spuren der Bewegung, eine im Moment eingefrorene Kinetik.
Ein Sommerabend im Riesenrad eröffnet trotz seines kleinen Formats einen großen emotionalen Raum. Das Werk erzählt diesen Abend nicht; es lässt ihn fühlen. Der Betrachter erlebt beim Blick auf diese Leinwand für einen Moment seinen eigenen Riesenradmoment wieder — diese seltsame Mischung in seinem Körper, diese Sekunden, in denen Angst und Freude gleichzeitig aufeinanderprallen.