

In meinem Kokon bin ich glücklich
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Barış Gülen' Mehr von
Ich bin glücklich in meinem Kokon, produziert in den Maßen 21,5×14,5 cm mit gemischter Technik und Acrylverwendung, ist eine intensive Komposition in kleinem Format, die eine große innere Welt eröffnet.
Der Titel ist sowohl ein Geständnis als auch ein Manifest. Das Wort "in meinem Kokon" beschreibt das Sich-Zurückziehen, das Schaffen eines eigenen Bereichs und die bewusste Entfernung vom Lärm der Außenwelt. Doch dieser Rückzug ist nicht passiv; der Ausdruck "ich bin glücklich" verwandelt dies in eine entschlossene und freudige Wahl. Das Werk macht nicht die Einsamkeit sichtbar, sondern die Freiheit und innere Reichhaltigkeit der gewählten Einsamkeit.
Der von tiefem Marineblau und Schwarz dominierte Hintergrund bildet die Außenwände dieses Kokons — wie die Nacht, tief und schützend. Dieser dunkle Grund ist nicht bedrohlich; im Gegenteil repräsentiert er eine umhüllende, Grenzen bestimmende und einen sicheren Raum schaffende Umarmung. Die raue Oberfläche der Textur, dieser durch Schrammen und Kratzer bewegte dunkle Grund trägt die ganze Härte und Komplexität der Außenoberfläche des Kokons.
In dieser tiefen Dunkelheit explodiert die Farbe geradezu. Violett, Gelb, Türkis, Rosa-Rot und Grün; sie sammeln sich im Zentrum der Komposition in Form von miteinander verflochtenen, sich ergänzenden Formen. Dieser Farbreichtum symbolisiert das Leben im Inneren des Kokons, dass die Innenwelt viel lebendiger und vielschichtiger sein kann als die Außenwelt. Die nach oben schießende rosa-rote Form links ist wie eine Sehnsucht oder ein Freudenschrei dieser Innerlichkeit nach außen; eine momentane Äußerung der im Kokon wachsenden Energie.
Die Halbtone-Punkttexturen übernehmen auch in diesem Werk eine bedeutungsvolle Funktion. Diese in dunklen Bändern auf die Formen platzierten Texturen entsprechen visuell dem Gewebe des Kokons, also der porösen Struktur der schützenden Hülle. Der Kokon ist nicht völlig verschlossen; er filtert die Außenwelt, schließt sie aber nicht gänzlich aus.
Das Liniennetz im Zentrum — das Sich-Schneiden von weißen und farbigen feinen Linien — repräsentiert das innere Skelett des Kokons, also die Ordnung und Verbindungen, die die Person in ihrem Inneren aufbaut. Obwohl dieses Netz chaotisch erscheint, steht jede Linie in Beziehung zu einer anderen; die Ordnung ist im Chaos verborgen.
Ich bin glücklich in meinem Kokon trägt trotz seiner kleinen Größe einen großen Mut. Denn in einem Zeitalter, in dem die moderne Welt ständig Öffnung nach außen, Sichtbarkeit und Verbundenheit aufzwingt, ist es keine gewöhnliche Haltung, den Rückzug nach innen zu verkünden und darin glücklich zu sein. Das Werk erinnert den Betrachter an seinen eigenen Kokon — und gibt ihm vielleicht die Erlaubnis, zu diesem Kokon zurückzukehren.