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#15
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Mint-Datum
10.07.2026 08:47
Künstler-Royalty
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Barış Gülen' Mehr von
Istanbul'a Bakmak (Auf Istanbul blicken) ist eine intensive abstrakte Komposition im Format 60×60 cm, in Acryl auf Leinwand, die nicht die Geografie einer Stadt, sondern ihre Seele zu vermitteln sucht.
Der Titel verkündet eine Handlung: blicken. Nicht sehen, sondern blicken. Diese feine Unterscheidung bildet das gesamte konzeptuelle Fundament des Werkes. Sehen ist momenthaft und oberflächlich; Blicken hingegen ist kontinuierlich, vielschichtig und persönlich. Auf Istanbul zu blicken ist genau das — wann immer man innehält, sieht man eine andere Stadt, denn nicht die Stadt hat sich verändert, sondern man selbst.
Der allgemeine Ton der Komposition ist dunkel und tief. Dieser dunkle Grund, in dem Grün, Blau und Schwarz ineinandergreifen, spiegelt das Geheimnis Istanbuls, seine Schichten der Geschichte und seine unermüdliche Komplexität wider. Die auf diesem Grund leuchtenden roten Linien und geworfenen Gesten erinnern an die Adern der Stadt — an die scharfen Konturen des Bosporus, die Spannung der Brücken, den unvorhersehbaren Fluss ihrer Gassen. Rot ist hier nicht nur eine Farbe, sondern der Puls Istanbuls.
Die im oberen Bereich angesammelten Blau- und Grüntöne evozieren den Himmel und das Wasser, also die zwei großen Spiegel der Stadt. Die strukturierte und vielschichtige Beschaffenheit dieser Bereiche lässt spüren, dass der Istanbuler Himmel niemals eintönig ist und zu jeder Stunde ein anderes Licht und eine andere Farbe birgt. Das horizontale rote Band in der Mitte funktioniert wie eine Horizontlinie — jene unsichtbare Grenze, die Europa und Asien, Vergangenheit und Gegenwart, Land und Wasser trennt und zugleich verbindet.
Die Pinselsprache ist zugleich unkontrolliert und bewusst. Während weite, ausholende Gesten den großen Maßstab der Stadt etablieren, entsprechen feine, spritzende Linien und Punktformen den Details Istanbuls, den Straßenecken und den flüchtigen menschlichen Geschichten. Diese Sprache balanciert meisterhaft die Spannung zwischen der Silhouette, die man beim Blick aus der Ferne wahrnimmt, und der Komplexität, die sich beim Näherkommen offenbart.
Istanbul'a Bakmak ist kein Stadtporträt, sondern das Porträt einer Beziehung zu einer Stadt. Das Werk schildert Istanbul nicht; es überträgt die emotionale und geistige Spur der mit ihr erlebten Erfahrung auf die Leinwand. Jeder Betrachter findet auf dieser Leinwand sein eigenes Istanbul — denn in den Augen eines jeden, der auf diese Stadt blickt, lebt ein anderes Istanbul.
