

Atemlos
TR
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Barış Gülen' Mehr von
Atemlos ist eine im Jahr 2022 in gemischter Technik und Acryl auf einem Format von 21,5×14,5 cm geschaffene Komposition von intensiver Energie, die die Grenzen des kleinen Formats herausfordert.
Der Titel besteht aus einem einzigen Wort, und diese Einzigartigkeit ist Stärke. Atemlosigkeit ist kein Zustand, sondern eine Schwelle — jener kritische Moment, in dem zu viele Gefühle, zu viele Reize oder zu viel Schönheit gleichzeitig erlebt werden. Genau dieser Moment ist in diesem Werk eingefangen: Wenn der Betrachter auf die Leinwand blickt, bemerkt er, dass er den Atem anhält, denn überall geschieht gleichzeitig etwas.
Die Komposition erlaubt kein Atemholen. Auf einem schweren Grund aus Dunkelgrün, Marineblau und Schwarz existieren rote, orangefarbene, violette, gelbe, rosa und weiße Formen ineinandergreifend, sich gegenseitig abstoßend und anziehend. Keine Form findet vollständig Ruhe, keine Farbe beruhigt sich. Diese visuelle Verdichtung ist die Atemlosigkeit selbst — das Überlaufen des Inhalts, das Versagen der Grenzen.
Die horizontalen Halbtonbänder übernehmen diesmal eine andere Funktion. Diese Drucktextur, die in horizontalen Ebenen angeordnet ist, legt der Komposition einen starren horizontalen Rhythmus auf; doch alle vertikalen und diagonalen Formen durchschneiden diesen Rhythmus und schießen nach oben. Diese Spannung — der Konflikt zwischen horizontaler Unterdrückung und vertikaler Befreiung — ist die genaue visuelle Entsprechung der Atemlosigkeit: Etwas wird niedergedrückt, etwas anderes explodiert.
Die im Zentrum aufsteigende, der Hautfarbe nahestehende Form trägt inmitten dieses ganzen Chaos eine erstaunliche Zartheit. Dieser mit violetten und orangefarbenen Akzenten bearbeitete Bereich wirkt wie eine Anspielung auf den menschlichen Körper, auf die ein- und ausatmende Brust oder die Kehle. Atemlosigkeit ist nicht abstrakt; sie ist körperlich, physisch, ein Gefühl der Enge, das von innen kommt.
Das Gelb in der rechten unteren Ecke und die hellen Töne in der linken unteren Ecke wirken hingegen wie Ausgangspforten aus dieser Verdichtung — das Versprechen eines Moments der Erleichterung, der noch nicht erreicht ist, aber existiert.
Atemlos ist das Bild jedes Moments, in dem übermäßige Reize, überwältigende Schönheit oder Gefühle die Grenzen herausfordern. Das Werk lässt den Betrachter sowohl jenes Beengtheitsgefühl erleben als auch flüstert es ihm zu, dass der nächste Atemzug kommen wird. Das kleine Format trägt ein großes Paradox in sich: Die Existenz von so vielem auf so wenig Fläche beweist seinen Titel in sich selbst.
