



OÇKGD
TR
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Barış Gülen' Mehr von
OÇKGD ist eine originelle Komposition im Format 31,5×22,8 cm, hergestellt in gemischter Technik und Acryl, die sowohl eine persönliche als auch eine städtische Gedächtnisschicht in sich trägt.
Der Titel ist eine Abkürzung: Ofis Çiftçinin Kara Gün Dostudur (Das Amt ist der Freund des Bauern in schweren Zeiten). Die Anfangsbuchstaben dieses riesigen Satzes, der auf die Außenwände der Getreidesilos des Landwirtschaftsamts im Hafen von Haydarpaşa geschrieben wurde, sind ein stilles Denkmal jener großen Schrift, die beim Vorbeifahren mit der Fähre sichtbar wird. Der Künstler verwendet diese Abkürzung sowohl als Anspielung als auch als Chiffre: für denjenigen, der sie kennt, eine tiefe Istanbul-Erinnerung, für denjenigen, der sie nicht kennt, eine Tür, die Neugier weckt.
Betrachtet man das Werk vor diesem Hintergrund, gewinnen die vertikalen Formen der Komposition eine ganz andere Bedeutung. Die langen, kraftvollen, nach oben strebenden Vertikalen und Formen erinnern nun an Siloschornsteine, Hafenpfeiler und Kaistrukturen. Dieser vertikale Wald aus Grün, Blau, Schwarz und Rot ist eine abstrakte Widerspiegelung der komplexen und vielschichtigen Silhouette von Haydarpaşa. Die dichte, ineinandergedrängte Struktur der Formen spiegelt das belebte, geschäftige und lebendige Gewebe des Hafens wider.
Der strukturierte Untergrund in Braun- und Rottönen fügt dem Werk eine weitere Bedeutungsschicht hinzu. Dieser Untergrund gleicht einer Wandoberfläche — einer Oberfläche, die von Zeit, Wetter und Salzwasser abgetragen wurde, auf die viele Male Farbe aufgetragen und Spuren hinterlassen wurden. Er trägt die Betonhülle der Silos, das verrostete Eisen des Hafens und die Anhäufung jahrzehntelangen städtischen Lebens in sich.
Die Rolle des Rots in dieser Komposition ist besonders bedeutungsgeladen. Die Schwere, die Härte und die Solidarität, die der Ausdruck „Kara Gün" (schwerer Tag) in sich trägt, finden im beharrlichen und kraftvollen Vorhandensein des Rots eine visuelle Entsprechung. Die Lebendigkeit und Hoffnung des Grüns hingegen trägt die Wärme des Wortes „Dost" (Freund). Die Komposition schreibt damit den Satz selbst auch in der Sprache der Farbe neu: Schwierigkeit und Unterstützung, Knappheit und Fülle, Dunkel und Hoffnung.
Die Halbtonstreifen können in diesem Werk als Verweis auf die Schrift an den Silowänden gelesen werden — auf jene riesigen Buchstaben und ihre Textur auf der Betonoberfläche. Das Zusammenspiel von Druckstruktur und bemalter Oberfläche symbolisiert das Eindringen öffentlicher Schrift und städtischen Gedächtnisses in die Bildsprache.
OÇKGD überträgt eine sichtbare, aber kaum noch wahrgenommene städtische Spur Istanbuls in die Kunstsprache. Jene riesige Schrift, an der das Auge beim Vorbeifahren mit der Fähre einen Moment lang hängen bleibt; dieser Satz, der die Ideologie, die Agrarwirtschaft und den gesellschaftlichen Vertrag einer Epoche in sich trägt, wird auf dieser Leinwand sowohl erinnert als auch verwandelt. Das Werk ist das Ergebnis einer persönlichen und aufmerksamen Beziehung zur Stadt — und lädt auch den Betrachter zu diesem aufmerksamen Blick ein.
