

Vagabund Reise
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Barış Gülen' Mehr von
Wandernde Reise ist eine vielschichtige Collage und Mixed-Media-Komposition, die durch das Zusammenfügen von Schichten mit unterschiedlichen Texturen, Farben und Materialien entstanden ist.
Das Wort "wandernd" im Titel fasst den Geist des Werks in einem einzigen Wort zusammen. Wandern ist keine Ziellosigkeit, sondern eine freie Bewegung; es ist das Erleben des Weges selbst, nicht des zu erreichenden Ziels. Diese Komposition trägt genau die Spur einer solchen geistigen Reise — die Teile haben sich nicht aus Notwendigkeit, sondern durch eine zufällige Anziehungskraft gefunden.
Im strukturellen Aufbau des Werks fallen zwei große kreisförmige Formen auf. Links erinnert ein gelber Halbkreis, der sich über schwarzem Grund erhebt, an eine Sonne, einen Horizont oder einen Anfang, während der in der Mitte erscheinende Halbkreis, in dem sich Rot und Schwarz verflechten, eine dunklere, innerlichere Energie birgt. Diese beiden Kreise symbolisieren die zwei Pole der Reise: den offenen Horizont und die nach innen gerichtete Fahrt. Die zwischen den Kreisen sich erstreckenden weißen und schwarzen Stäbe stehen zwar wie ein Koordinatensystem da, zeigen aber keinen Ort genau an — wie das Fehlen einer Karte bei einem Wanderer.
Die Farbpalette spiegelt eine bewusste Vielfalt wider. Gelb, Rot, Orange, Blau, Marineblau, Schwarz und Grau; jede ist wie eine andere Station, eine andere Stimmung, eine andere Erinnerung. Besonders das Zusammenbestehen der Pinseltextur der bemalten roten Oberfläche links mit den glatten geometrischen Formen rechts präsentiert sowohl die emotionalen als auch die objektiven Dimensionen der Reise gleichzeitig. Der gepunktete dunkle Grund repräsentiert eine stille, feste Welt — vielleicht die Stadt, vielleicht die Routine —, über der sich all diese Beweglichkeit erhebt.
Das Übereinanderschichten physischer Schichten und Materialien entspricht auch formal der Natur des Wanderns. Kein Teil sitzt ganz fest, kein Rand schließt vollständig; alles ist etwas offen, etwas halb, etwas unterwegs. Diese Unvollendetheit ist kein Mangel, sondern die Reise selbst.
Wandernde Reise kann auch als Haltung gegen die zielgerichtete Hektik des modernen Lebens gelesen werden. Das Werk leistet die stille aber entschlossene Verteidigung dessen, sich auf den Weg zu machen, ohne das Ziel zu kennen, sich augenblicklichen Anziehungen hinzugeben und in dieser Freiheit einen Sinn zu finden. Die Reise ist nicht beendet — und wird vielleicht nie enden.