


Alles steht Kopf
TR
₺ 85,000
Barış Gülen' Mehr von
Alles steht Kopf, eine 70×90 cm große Acrylkomposition auf Leinwand, ist eine überschäumende und transformative Komposition, die sich weigert, in das vertikale Format zu passen.
Der Titel ist sowohl sehr vertraut als auch sehr aufgeladen. Kopfstehen beschreibt jenen erschütternden Moment der Verwandlung, in dem das Oben zum Unten, das Richtige zum Falschen, das Vertrauensvolle zum Unzuverlässigen wird. Aber dieses Werk präsentiert das Kopfstehen nicht als Katastrophe, sondern als unvermeidliche und sogar notwendige Umwälzung. Manchmal ist es ein Vorbote einer neuen Ordnung, wenn alles kopfsteht.
Das auffälligste formale Merkmal der Komposition ist die Verwendung großer Farbflächen. Das ruhige hellblaue Rechteck links, die aufsteigenden rosa und schwarzen Massen rechts, das unten auftauchende lebendige Grün und die dunklen Bereiche in den unteren Ecken – sie stehen nicht parallel zueinander, sie stoßen und drängen sich gegenseitig. Keine Fläche ist vollständig gesetzt, kein Bereich hat Ruhe gefunden. Diese Instabilität ist das Produkt einer bewussten Konstruktion; das Kopfstehen selbst ist in das Rückgrat der Komposition eingearbeitet.
Die Farbwahl unterstützt diese Umwälzung auch emotional. Das kalte und ruhige Blau der Linken steht dem feurigen Rosa und Dunkelblau der Rechten wie entgegengesetzte Pole gegenüber. Das Zentrum zwischen diesen beiden Welten ist der komplexeste und ehrlichste Bereich: Orange-, Violett-, Bordeaux-, Schwarz- und Beigeschichten sind übereinander geschichtet und ineinander verschränkt. Dieser hautfarbene vertikale Bereich in der Mitte – wie eine abstrakte menschliche Figur – symbolisiert die Existenz, die in all diesem Chaos steht, erschüttert aber aufrecht bleibt.
Die orangefarbenen und grünen Formen im oberen Bereich tragen trotz all dieser Schwere eine Hoffnungsenergie, die nach oben schießt. Alles, was kopfsteht, fällt schließlich irgendwo hin; und wo es hinfällt, ist ein neuer Ausgangspunkt. Diese kleinen aber beharrlichen Farben sind die Vorboten dieses Anfangs.
Dünne Linien – weiß, orange, rosa – wandern zwischen diesen großen Flächen umher wie eine Suche nach Gleichgewicht. Sie sind nicht die Lösung, sondern die Suche; sie sind die Spuren des Geistes, der versucht, neue Koordinaten in einer auf dem Kopf stehenden Welt zu finden.
Alles steht Kopf kann sowohl das Bild eines persönlichen Bruchmoments als auch einer kollektiven Erfahrung sein. Das Werk verurteilt dieses Gefühl der Erschütterung nicht und tröstet auch nicht; es macht es nur vollständig und ehrlich sichtbar. Und manchmal wird das Wissen, dass etwas wirklich sichtbar ist, zu einem Trost an sich.