


Ein Sommernachtstraum
TR
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Barış Gülen' Mehr von
Ein Sommernachtstraum ist eine vielschichtige Komposition, die 2022 produziert wurde und eine originelle Synthese aus gemischter Technik und Acrylverwendung bietet.
Der Titel verweist selbst dann, wenn er unabhängig von Shakespeares gleichnamigem Stück gelesen wird, auf eine universelle Erfahrung: die eigentümliche Logik des Traums, die magische Ungewissheit der Sommernacht und die seltsame Schönheit, die an jener Schwelle erlebt wird, wo sich beide kreuzen. Das Werk stellt diese Erfahrung nicht eins zu eins dar; es übersetzt ihr inneres Gefüge, also wie sich der Traum anfühlt, in eine visuelle Sprache.
Die Komposition erscheint auf den ersten Blick chaotisch, doch dieses Chaos ist sorgfältig konstruiert. Die Spannung zwischen dem oberen Bereich, in dem Rot dominiert, und dem unteren Bereich, in dem sich Marineblau und Schwarz vertiefen, beherbergt die beiden Gesichter des Traums — das feurige und das dunkle — nebeneinander. Zwischen diesen beiden Polen verbinden sich weiße, gelbe, orangefarbene, rosa, grüne und violette Teile mit einer Traumlogik: Grenzen sind durchlässig, Formen bleiben unvollständig, eine Gestalt fließt in die andere.
Eine der originellsten formalen Entscheidungen des Werks ist die Verwendung von gepunkteten Halbton-Bereichen, die an Drucktextur erinnern, zusammen mit gemalten Oberflächen. Dieses Element bringt die Bewusstseinsklarheit der Pop-Art und ihre Medienschichten in die Komposition; es symbolisiert jene durchlässige Schwelle zwischen Traum und Wachheit, das Ineinandergreifen von Realität und Fiktion. So ist es auch im Traum: reale Bilder nehmen unerkennbare Formen an, bekannte Dinge werden fremd.
Das freie Sich-Erstrecken feiner Linien — orange, weiß, rot — durch die gesamte Komposition hindurch bildet eine separate Bedeutungsebene. Diese Linien ziehen weder Grenzen noch vervollständigen sie eine Form; sie gehen nur vorüber, schneiden und verbinden. Genau wie die aufeinanderfolgenden Bilder im Traum: jedes augenblicklich, jedes spurhaft, keines vollendet.
Ein Sommernachtstraum ist eine visuelle Karte des Unbewussten. Das Werk erzählt den Traum nicht; es lässt den Traum erleben. Wenn sich der Betrachter beim Blick auf diese Leinwand jenem vertrauten, aber nie fassbaren Traumzustand überlässt, dann hat das Werk genau dorthin gefunden, wo es hinwollte.