
Schlaflose Träume
TR
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Barış Gülen' Mehr von
Schlaflose Träume ist eine dynamische Komposition in den Maßen 30×30 cm, geschaffen mit Acryl auf Leinwand, die die Balance- und Symmetrieassoziationen des quadratischen Formats von innen heraus durchbricht.
Der Titel bringt zwei sich ausschließende Begriffe nebeneinander: Schlaflosigkeit und Traum. Ohne Schlaf gibt es keine Träume; aber dieses Werk erforscht genau diesen unmöglichen Zwischenraum, nämlich die durchlässige Schwelle zwischen Wachsein und Schlaf. Die Augen sind offen, aber der Geist ist anderswo; der Körper ist müde, aber die Bilder verstummen nicht. Dieser Zustand ist sowohl ermüdend als auch seltsam kreativ — und diese Komposition steht genau in der Mitte dieser Dualität.
Die Farbsprache des Werks spiegelt dieses Paradox eins zu eins wider. Die tiefgrünen und leuchtend blauen Bereiche im oberen Teil tragen die Klarheit des Wachseins, die Reinheit des Tageslichts, während die gelben und orangen Aufblitzungen links unten und die sich im unteren Bereich erstreckenden violetten Bänder die Wärme und Ungewissheit des Traums bringen. Diese beiden Atmosphären — die Helligkeit des Tages und die Farben der Nacht — existieren gleichzeitig auf derselben Oberfläche. Der schlaflose Traum selbst.
Die formale Sprache der Komposition ist scharf, schnell und vielschichtig. Während die breiten grünen Formen, die von oben nach unten gleiten, wie ein Dach oder ein Himmel Druck ausüben, widersetzen sich die von unten nach oben schießenden roten und schwarzen spitzen Formen diesem Druck. Diese vertikale Spannung ist die körperliche Erfahrung der Schlaflosigkeit: du willst dich hinlegen, aber etwas stößt dich nach oben, du willst schlafen, aber der Geist lässt nicht los.
Weiße Linien und Formen übernehmen in diesem Werk eine besonders bestimmende Rolle. Diese weißen Bereiche, die sich frei über die Komposition verteilen, repräsentieren Gedankenfunken, plötzlich und unkontrolliert auftauchende geistige Bilder. Sie erinnern an diese unaufhörliche innere Stimme schlafoser Nächte, an diese endlose Serie von Bildern, bei der, wenn man einem folgt, das andere auftaucht.
Das quadratische Format erscheint als bewusste Wahl für diesen Inhalt. Das Quadrat ist eine Form ohne Anfang und Ende, zyklisch — genau wie der endlose Zyklus einer schlaflosen Nacht. Stunden vergehen, Gedanken drehen sich, der Morgen kommt; aber das Quadrat schließt sich nicht.
Schlaflose Träume macht auf der Leinwand Platz für eine der vertrautesten, aber am wenigsten besprochenen Erfahrungen des modernen Menschen. Das Werk fängt nicht die Müdigkeit dieser Nächte ein, sondern ihre Schönheit — diese zerbrechliche, fruchtbare Dunkelheit, in der der Geist frei wird, die Kontrolle nachlässt und die unerwartetsten Bilder an die Oberfläche kommen.